top of page

Welche Blutwerte sind bei erhöhtem Cholesterin zusätzlich wichtig?

Writer: Alexandrina Ionescu
Alexandrina Ionescu
Sep 25
3 min read

Ein erhöhter Cholesterinwert wird häufig zuerst über das LDL-Cholesterin beurteilt. Für die Einschätzung des Herz-Kreislauf-Risikos sind jedoch weitere Blutwerte relevant.

Sie können zusätzliche Risikofaktoren sichtbar machen und Hinweise auf Ursachen oder Begleiterkrankungen geben, die den Fettstoffwechsel beeinflussen.


1. Das vollständige Lipidprofil

Zu einem vollständigen Lipidprofil gehören:

  • Gesamtcholesterin

  • LDL-Cholesterin

  • HDL-Cholesterin

  • Triglyzeride

LDL-Cholesterin ist ein zentraler Risikofaktor für Atherosklerose. Die übrigen Werte liefern zusätzliche Informationen über den Fettstoffwechsel.

Besonders erhöhte Triglyzeride können auf eine metabolische Störung hinweisen. Häufig bestehen Zusammenhänge mit:

  • Insulinresistenz

  • Typ-2-Diabetes

  • viszeralem Übergewicht

  • einer Fettleber

  • hohem Alkoholkonsum

  • einer Ernährung mit vielen schnell verfügbaren Kohlenhydraten

Erhöhte Triglyzeride sind deshalb häufig ein Hinweis darauf, dass neben dem Cholesterinstoffwechsel auch der Glukose- und Energiestoffwechsel betrachtet werden sollte.


2. Lipoprotein(a)

Lipoprotein(a), kurz Lp(a), ist überwiegend genetisch bestimmt.

Ein erhöhter Wert ist ein unabhängiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die aktuellen ESC/EAS-Empfehlungen werten Werte über 50 mg/dl beziehungsweise etwa 105 nmol/l als kardiovaskulären Risikomodifikator.

Lp(a) sollte mindestens einmal im Erwachsenenleben bestimmt werden.

Da sich Lp(a) durch Ernährung oder Sport kaum beeinflussen lässt, steht bei erhöhtem Lp(a) vor allem die konsequente Behandlung der übrigen Risikofaktoren im Vordergrund:

  • LDL-Cholesterin entsprechend dem Gesamtrisiko senken

  • Blutdruck gut einstellen

  • Diabetes beziehungsweise Insulinresistenz behandeln

  • nicht rauchen

  • regelmäßige Bewegung und ausgewogene Ernährung

  • bei familiärer Häufung auch an Familienmitglieder denken

Spezifische Lp(a)-senkende Therapien befinden sich weiterhin in Entwicklung. Bislang ist noch nicht abschließend gezeigt, in welchem Ausmaß eine gezielte Lp(a)-Senkung kardiovaskuläre Ereignisse reduziert.


3. Blutzucker und HbA1c

Fett- und Glukosestoffwechsel sind eng miteinander verbunden.

Deshalb gehören bei erhöhten Cholesterin- oder Triglyzeridwerten auch Nüchternblutzucker und HbA1c zum Gesamtbild.

Der HbA1c zeigt die durchschnittliche Blutzuckersituation der vergangenen Wochen.

Störungen der Blutzuckerregulation treten häufig gemeinsam mit:

  • erhöhten Triglyzeriden

  • niedrigem HDL

  • viszeralem Übergewicht

  • Insulinresistenz

auf.

Gerade bei dieser Kombination sollte der Stoffwechsel nicht nur über das LDL beurteilt werden.


4. Schilddrüsenwerte

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann den Fettstoffwechsel verändern und zu erhöhtem LDL-Cholesterin führen.

Bei neu aufgetretenen oder unerwartet hohen Cholesterinwerten sollte deshalb die Schilddrüsenfunktion überprüft werden.

Auch bei vermuteter Statinunverträglichkeit ist die Schilddrüse relevant: Eine unbehandelte Hypothyreose kann Muskelsymptome begünstigen und eine bestehende Statinunverträglichkeit verstärken oder imitieren.

Zur Basisdiagnostik gehört vor allem der TSH-Wert, je nach Befund ergänzt durch freie Schilddrüsenhormone.


5. Leberwerte

Die Leber ist das zentrale Organ des Fett- und Cholesterinstoffwechsels.

Erhöhte Werte von ALT, AST oder GGT können auf eine Lebererkrankung hinweisen und sind besonders relevant im Zusammenhang mit einer metabolisch bedingten Fettleber.

Eine Fettleber tritt häufig gemeinsam auf mit:

  • Insulinresistenz

  • erhöhten Triglyzeriden

  • viszeralem Übergewicht

  • Typ-2-Diabetes

Wichtig ist: Eine Fettleber kann auch bei normalen Leberwerten bestehen. Normale ALT-, AST- oder GGT-Werte schließen sie daher nicht sicher aus.

Leberwerte sind außerdem vor und während bestimmter lipidsenkender Therapien relevant.


6. hs-CRP

Das hochsensitive C-reaktive Protein, kurz hs-CRP, misst niedriggradige systemische Entzündungsaktivität.

Ein persistierend erhöhtes hs-CRP ist mit einem höheren kardiovaskulären Risiko verbunden. In den aktuellen ESC/EAS-Empfehlungen gilt ein hs-CRP über 2 mg/l als Risikomodifikator.

Der Wert ist allerdings unspezifisch. Infektionen, akute Entzündungen und andere Erkrankungen können hs-CRP ebenfalls erhöhen.

Deshalb sollte ein erhöhter Wert nicht isoliert beurteilt werden. Persistierend erhöhtes hs-CRP kann jedoch zusätzliche Information über das entzündliche kardiovaskuläre Risiko liefern.


Fazit

Bei erhöhtem Cholesterin reicht der Blick auf LDL allein nicht immer aus.

Das vollständige Lipidprofil zeigt zusätzliche Aspekte des Fettstoffwechsels. Lp(a) erfasst ein genetisch bestimmtes Zusatzrisiko. Blutzucker und HbA1c geben Hinweise auf begleitende Stoffwechselstörungen. Schilddrüsenwerte können eine behandelbare Ursache erhöhter Cholesterinwerte oder eine mögliche Mitursache von Statinbeschwerden aufdecken. Leberwerte helfen bei der Einordnung einer möglichen Fettleber und hs-CRP liefert zusätzliche Information über entzündliches kardiovaskuläres Risiko.

Erst die Kombination dieser Werte ermöglicht eine differenziertere Einschätzung des kardiometabolischen Risikoprofils.

 
 
 

Comments

Rated 0 out of 5 stars.
No ratings yet

Add a rating
bottom of page