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Entzündung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Writer: Alexandrina Ionescu
Alexandrina Ionescu
Sep 25
3 min read

Atherosklerose wurde lange vor allem als Folge erhöhter Cholesterinwerte betrachtet.

Heute ist klar: Auch Entzündungsprozesse sind ein zentraler Bestandteil der Erkrankung.

LDL-Cholesterin und Entzündung stehen dabei nicht gegeneinander. Beide Prozesse greifen ineinander und können die Entstehung sowie das Fortschreiten atherosklerotischer Gefäßveränderungen fördern.


Atherosklerose ist mehr als eine Fettablagerung

LDL-Partikel können in die Gefäßwand eindringen und dort Veränderungen auslösen.

Das Immunsystem reagiert darauf mit einer Entzündungsreaktion. Entzündungszellen wandern in die Gefäßwand ein, nehmen veränderte Lipoproteine auf und tragen zur Bildung atherosklerotischer Plaques bei.

Mit der Zeit kann sich daraus eine komplexe Gefäßveränderung entwickeln.

Entzündung ist deshalb nicht nur eine Begleiterscheinung, sondern ein aktiver Bestandteil der Atherosklerose.


Cholesterin und Entzündung beeinflussen sich gegenseitig

Erhöhte Konzentrationen atherogener Lipoproteine fördern Veränderungen in der Gefäßwand und können entzündliche Reaktionen auslösen.

Gleichzeitig können chronische Entzündungsprozesse die Gefäßfunktion verschlechtern und die Entwicklung instabiler Plaques begünstigen.

LDL und Entzündung verstärken sich damit in mehreren Bereichen gegenseitig.


hs-CRP als Entzündungsmarker

Das hochsensitive C-reaktive Protein, kurz hs-CRP, ist ein Blutmarker für niedriggradige systemische Entzündungsaktivität.

Ein dauerhaft erhöhter hs-CRP-Wert ist mit einem höheren Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse verbunden.

In den aktuellen ESC/EAS-Empfehlungen gilt ein persistierend erhöhtes hs-CRP über 2 mg/l als kardiovaskulärer Risikomodifikator.

Wichtig ist: hs-CRP ist nicht spezifisch für die Gefäße.

Auch Infektionen, entzündliche Erkrankungen und andere akute Prozesse können den Wert erhöhen. Deshalb sollte hs-CRP nicht während eines akuten Infekts zur kardiovaskulären Risikoeinschätzung herangezogen werden.


LDL-C und hs-CRP liefern unterschiedliche Informationen

Ein gut behandelter LDL-Wert bedeutet nicht automatisch, dass kein entzündliches Restrisiko besteht.

Umgekehrt ersetzt ein niedriger hs-CRP-Wert nicht die Behandlung eines erhöhten LDL-Cholesterins.

Beide Werte erfassen unterschiedliche Aspekte:

  • LDL-C bildet die Belastung durch atherogene Cholesterinpartikel ab.

  • hs-CRP liefert Informationen über niedriggradige systemische Entzündungsaktivität.

Die JUPITER-Studie zeigte, dass Menschen mit erhöhtem hs-CRP trotz vergleichsweise niedriger LDL-Werte von einer Statintherapie profitieren konnten. Rosuvastatin reduzierte kardiovaskuläre Ereignisse in dieser Population.


Faktoren, die chronische Entzündung fördern können

Niedriggradige Entzündung kann durch verschiedene Faktoren begünstigt werden, darunter:

  • viszerales Übergewicht

  • Rauchen

  • Bewegungsmangel

  • chronisch entzündliche Erkrankungen

  • psychosozialer Stress

  • Schlafmangel

  • Parodontitis

Auch die aktuellen ESC/EAS-Empfehlungen berücksichtigen unter anderem Adipositas, körperliche Inaktivität, psychosoziale Belastung und chronisch entzündliche Erkrankungen als Risikomodifikatoren.


Entzündungshemmung in Studien

Die Forschung der letzten Jahre zeigt, dass entzündliche Signalwege bei Atherosklerose therapeutisch relevant sein können.

In der CANTOS-Studie wurden Patienten nach Herzinfarkt mit erhöhtem hs-CRP mit Canakinumab behandelt. Die gezielte Hemmung von Interleukin-1β reduzierte wiederkehrende kardiovaskuläre Ereignisse, ohne die Lipidwerte zu senken. Die Studie lieferte damit wichtige Evidenz dafür, dass Entzündung selbst zum kardiovaskulären Risiko beiträgt.

Auch Colchicin wurde in mehreren Studien untersucht.

In der LoDoCo2-Studie hatten Patienten mit chronischer koronarer Herzkrankheit unter niedrig dosiertem Colchicin weniger kardiovaskuläre Ereignisse als unter Placebo.

Die Ergebnisse waren jedoch nicht in allen klinischen Situationen gleich. In der CLEAR-Studie wurde Colchicin kurz nach einem Herzinfarkt begonnen. Über eine mediane Nachbeobachtung von drei Jahren unterschied sich die Häufigkeit von kardiovaskulärem Tod, erneutem Herzinfarkt, Schlaganfall oder ungeplanter ischämiebedingter Revaskularisation nicht signifikant zwischen Colchicin und Placebo.

Die Studien belegen, dass Entzündung nicht nur ein Begleitphänomen der Atherosklerose ist. Eine gezielte Hemmung entzündlicher Signalwege kann bei bestimmten Patientengruppen kardiovaskuläre Ereignisse reduzieren – allerdings nicht in jeder klinischen Situation.


Bedeutung für die kardiovaskuläre Prävention

Für die Prävention bedeutet das vor allem, zwei unterschiedliche Risikokomponenten zu berücksichtigen:

  • das lipoproteinbedingte Risiko, vor allem über LDL-Cholesterin

  • das entzündliche Risiko, unter anderem über hs-CRP

Ein persistierend erhöhtes hs-CRP über 2 mg/l gilt in den aktuellen ESC/EAS-Empfehlungen als Risikomodifikator und kann die kardiovaskuläre Risikoeinschätzung ergänzen.

Besonders relevant ist das bei Menschen, bei denen trotz gut eingestelltem LDL-Cholesterin weiterhin ein erhöhtes entzündliches Risiko besteht. Dann kann hs-CRP auf ein sogenanntes residuales inflammatorisches Risiko hinweisen.

Praktisch bedeutet das:

  • LDL-Zielwerte konsequent erreichen

  • Rauchen vermeiden

  • Blutdruck und Blutzucker gut einstellen

  • viszerales Übergewicht reduzieren

  • regelmäßige körperliche Aktivität

  • chronisch entzündliche Erkrankungen und andere Entzündungsquellen angemessen behandeln

  • bei bestehender koronarer Herzkrankheit und erhöhtem entzündlichem Risiko kann eine gezielte antiinflammatorische Therapie in ausgewählten Fällen therapeutisch relevant sein

Damit wird die Risikoeinschätzung präziser: Nicht nur die Lipidbelastung, sondern auch die entzündliche Aktivität kann zum verbleibenden kardiovaskulären Risiko beitragen.


Atherosklerose ist kein reines Cholesterinproblem. Entzündliche Prozesse sind Teil der Erkrankung.

Kurz zusammengefasst

  • LDL und hs-CRP erfassen unterschiedliche Risikokomponenten.

  • Persistierend erhöhtes hs-CRP kann ein inflammatorisches Restrisiko anzeigen.

  • Prävention richtet sich weiterhin auf das gesamte kardiovaskuläre Risikoprofil.


Quellen

  • ESC/EAS Guideline Update

  • CANTOS

  • LoDoCo2

  • CLEAR


 
 
 

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