LDL trotz gesunder Ernährung erhöht – welche Ursachen gibt es?


Ein erhöhter LDL-Wert wird häufig automatisch mit der Ernährung in Verbindung gebracht.
Die Ernährung spielt dabei tatsächlich eine wichtige Rolle. Vor allem ein hoher Anteil gesättigter Fettsäuren kann das LDL-Cholesterin erhöhen.
Trotzdem gibt es viele Menschen, die sich ausgewogen ernähren und dennoch dauerhaft erhöhte LDL-Werte haben.
Dann kommen weitere Ursachen infrage.
1. Genetische Veranlagung
Die Höhe des LDL-Cholesterins wird zu einem erheblichen Teil genetisch beeinflusst.
Bei manchen Menschen funktioniert die Aufnahme von LDL aus dem Blut in die Leber weniger effektiv. Besonders ausgeprägt ist das bei der familiären Hypercholesterinämie.
Hinweise können sein:
sehr hohe LDL-Werte
erhöhte Cholesterinwerte bei mehreren Familienmitgliedern
Herzinfarkt oder Schlaganfall in vergleichsweise jungem Alter in der Familie
Ein gesunder Lebensstil bleibt auch bei genetisch bedingt erhöhtem LDL wichtig, reicht allein aber nicht immer aus, um den LDL-Wert ausreichend zu senken.
2. Schilddrüsenunterfunktion
Eine Schilddrüsenunterfunktion kann den Fettstoffwechsel verändern und zu erhöhtem LDL-Cholesterin führen.
Bei neu aufgetretenen oder unerwartet hohen Cholesterinwerten sollte deshalb auch die Schilddrüsenfunktion überprüft werden.
Das ist außerdem bei vermuteter Statinunverträglichkeit relevant: Eine unbehandelte Hypothyreose kann Muskelsymptome begünstigen und Beschwerden unter einer Statintherapie verstärken oder imitieren.
Zur Basisdiagnostik gehört vor allem der TSH-Wert.
3. Wechseljahre
Mit dem Rückgang der Östrogene verändert sich auch der Fettstoffwechsel.
Bei vielen Frauen steigt das LDL-Cholesterin in der Peri- und Postmenopause an. Gleichzeitig können sich weitere kardiometabolische Faktoren verändern, darunter Körperfettverteilung, Blutdruck und Blutzucker.
Ein höherer LDL-Wert in dieser Lebensphase ist deshalb nicht ungewöhnlich und sollte im Zusammenhang mit dem gesamten Herz-Kreislauf-Risiko beurteilt werden.
4. Gesund essen heißt nicht automatisch LDL-senkend essen
Eine Ernährung kann insgesamt gesund sein und trotzdem relativ viele gesättigte Fettsäuren enthalten.
Typische Quellen sind zum Beispiel:
Butter
fettreiche Milchprodukte
fettreiches Fleisch
Kokosfett
Palmfett
Gesättigte Fettsäuren können LDL-Cholesterin erhöhen.
Günstiger ist der Austausch gegen ungesättigte Fette, zum Beispiel aus:
Olivenöl
Nüssen
Samen
Avocado
bestimmten pflanzlichen Ölen
Gerade bei erhöhtem LDL lohnt es sich deshalb, nicht nur auf „gesunde Lebensmittel“ allgemein zu achten, sondern auch auf die Fettqualität.
5. Stoffwechsel und Begleiterkrankungen
Auch andere gesundheitliche Faktoren können mit veränderten Lipidwerten einhergehen.
Besonders häufig bestehen Zusammenhänge mit:
Typ-2-Diabetes
Insulinresistenz
viszeralem Übergewicht
Fettleber
chronischen Nierenerkrankungen
Diese Faktoren beeinflussen nicht immer ausschließlich den LDL-Wert selbst, sind aber wichtig für die Einschätzung des gesamten Herz-Kreislauf-Risikos.
Gerade wenn zusätzlich erhöhte Triglyzeride, Bluthochdruck oder erhöhte Blutzuckerwerte bestehen, sollte der Stoffwechsel als Ganzes betrachtet werden.
Was bedeutet das praktisch?
Wenn das LDL trotz guter Ernährung erhöht bleibt, sollten mehrere Fragen geklärt werden:
Ist der Wert möglicherweise genetisch bedingt?
Liegt eine Schilddrüsenunterfunktion vor?
Haben sich die Werte im Zusammenhang mit den Wechseljahren verändert?
Wie hoch ist der Anteil gesättigter Fettsäuren in der Ernährung?
Bestehen weitere kardiometabolische Risikofaktoren?
Wie hoch ist das gesamte Herz-Kreislauf-Risiko?
Denn der LDL-Wert allein entscheidet nicht darüber, wie hoch das individuelle Risiko ist oder welcher Zielwert sinnvoll ist.
Fazit
Ein erhöhter LDL-Wert ist nicht automatisch das Ergebnis einer „falschen“ Ernährung.
Genetik, Schilddrüsenfunktion, Wechseljahre und weitere kardiometabolische Faktoren können ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.
Entscheidend ist deshalb nicht nur, wie hoch das LDL ist, sondern warum es erhöht ist und wie es in das gesamte Herz-Kreislauf-Risiko einzuordnen ist.
Weiterlesen:Welche Blutwerte sind bei erhöhtem Cholesterin zusätzlich wichtig?



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